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Wirtschaft
Wirtschaftslage
Die kubanische Wirtschaft ist gekennzeichnet durch die typischen Defizite einer sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaft: Quasi-Monopolstellung des Staates als Produzent und Arbeitgeber, Fehlallokation von Ressourcen, Dekapitalisierung der Infrastruktur, geringe Produktivität, niedrige Löhne und - trotz aller Kontrollversuche – ausufernde Parallelwirtschaft.
Eine Besonderheit der kubanischen Wirtschaft ist die hohe finanzielle Abhängigkeit von Venezuela und der große Einfluss des Militärs auf den Wirtschaftssektor.
Das BIP Kubas wird in erster Linie durch den Dienstleistungsbereich erwirtschaftet (circa 80 Prozent). Wichtigste Einzelsektoren sind dabei der Tourismus (circa 2,5 Milliarden US-Dollar) und der „Export“ von medizinischen Dienstleistungen an befreundete Länder, vor allem Venezuela. Überweisungen von Auslandskubanern tragen mit circa eine Milliarde US-Dollar zur Zahlungsbilanz bei.
Wichtigste Exportgüter sind die Rohstoffe Nickel (circa 500 Millionen US-Dollar, Kuba verfügt über circa 30 Prozent der Weltvorkommen) und Kobalt (5 Prozent der Weltproduktion), pharmazeutische Produkte sowie Tabak und Rum. Nach eigenen Angaben verfügt Kuba über förderbare Rohölreserven in den Küstengewässern in Höhe von 20 Milliarden Barrel.
Die Landwirtschaft, einst Grundlage des Wohlstandes, ist in hohem Maße unproduktiv: Über 50 Prozent der Nutzflächen liegen brach. Circa 80 Prozent der Lebensmittel müssen importiert werden (Gesamtkosten 2009: über 2 Milliarden US-Dollar). Trotz des US-Embargo stammt ein hoher Anteil dieser Importe (2009: 538 Millionen US-Dollar) aus den USA. Eine im Sommer 2008 begonnene Agrarreform zeigt bisher keine nachhaltige Verbesserung.
Der starke Anstieg der Weltmarktpreise für Lebensmittel, der Absturz der Nickelnotierung, die globale Finanzkrise und drei Hurrikans im Herbst 2008 haben zu einer äußerst schwierigen finanziellen Lage in Kuba geführt. Das bestehende Umschuldungsabkommen mit Deutschland mussten im Herbst 2008 umstrukturiert werden.
Fast alle in Kuba tätigen Unternehmen klagen derzeit über hohe Außenstände. Kubanische Banken führen Auslandsüberweisungen von Guthaben ihrer Kunden allenfalls mit mehrmonatiger Verspätung aus. Die Gesamtverschuldung Kubas wird auf über 20 Milliarden US-Dollar zuzüglich der Altschulden gegenüber den Ländern des RGW geschätzt.
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Hauptcharakteristika der kubanischen Volkswirtschaft
Die kubanische Wirtschaft ist eine sozialistische Planwirtschaft. Sie ist in Staatsunternehmen organisiert, die 13 Fachministerien unterstehen. Daneben bestehen über 200 Joint Ventures und Internationalen Wirtschaftsassoziationen mit ausländischen Firmen (darunter 4 mit deutschen Unternehmen) und circa 90.000 selbstständig tätigen Personen („cuenta-propistas“). Der informelle Sektor ist groß, genaue Angaben hierüber oder Schätzungen liegen nicht vor.
Die kubanische Staatswirtschaft ist gekennzeichnet von einer Dekapitalisierung großen Ausmaßes in den Bereichen Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft. Entsprechend niedrig sind Produktivität und teils auch Qualität in diesen Bereichen, was hohen Einfuhrbedarf bedingt. Tragende Säulen der kubanischen Wirtschaft sind heute die Grundstoffindustrie (vor allem der Abbau von Nickel und Kobalt mit Exporterlösen von circa zwei Milliarden US-Dollar) und der Dienstleistungssektor, vor allem im Bereich Tourismus sowie der Export von medizinischen Leistungen.
Kuba muss heute den weit überwiegenden Teil (80 Prozent) seines Lebensmittelbedarfs importieren. Hauptgrund hierfür sind die geringen Freiräume für unternehmerische Initiative, da die staatlich festgelegten Lebensmittelpreise wenig attraktiv für die privaten Erzeuger sind. Hinzu kommen eine schlechte Infrastruktur sowie administrative Fehlentscheidungen. Die kubanischen Lebensmittelimporte allein aus den USA beliefen sich 2009 auf über 538 Millionen US-Dollar.
Kuba, einst größter Rohzuckerproduzent der Welt, hat seine Anbaufläche seit 2003 um 60 Prozent reduziert und die Hälfte der Zuckermühlen geschlossen. Erst seit die Zuckerpreise weltweit wieder steigen, zeichnete sich eine Trendwende ab.
Nickel ist mit einer Produktion von circa 76.000 Tonnen (2007) der wichtigste in Kuba gewonnene Rohstoff. Die Produktion ist 2008 weiter gestiegen, stark fallende Preise auf dem Weltmarkt haben jedoch in diesem wichtigen Exportzweig für erhebliche Einbußen gesorgt.
Energie: Bis in die 90er Jahre konnte Kuba fast seinen gesamten Energiebedarf durch Ölimporte aus der Sowjetunion zu Vorzugskonditionen decken. Mit der seitdem aufgenommenen on-shore-Förderung von Erdgas und Erdöl (hoher Schwefelgehalt) deckt Kuba heute etwa die Hälfte seines Bedarfs (75.000 barrels/Tag). Der Rest wird zu Vorzugspreisen und –bedingungen aus Venezuela geliefert. Die off-shore Förderung befindet sich in der Erkundungsphase, erste Explorationskontrakte wurden vergeben (China, Vietnam, Brasilien).
Die Stromversorgung hat sich aufgrund umfangreicher Investitionen 2006 stark verbessert, weist jedoch immer noch umfangreichen Erneuerungsbedarf auf. Von den Investitionen konnten auch deutsche Lieferanten profitieren: Die Exporte deutscher Hersteller beliefen sich in diesem Bereich aufgrund eines Großauftrags 2006 auf über 200 Millionen Euro.
Der größte Teil der in Kuba verbrauchten Industriegüter muss importiert werden. Zuwächse verzeichnen lediglich die Pharmaindustrie und der Biotechnologiesektor, die Getränke- und Tabakproduktion sowie die Raffinierung von Rohöl.
Das veraltete Verkehrsnetz und der Personentransport ist einer der Hauptengpässe der kubanischen Wirtschaft und wurde 2007/08 zu einem der Hauptinvestitionsschwerpunkte erklärt. Seither haben der Kauf chinesischer Lokomotiven und Überland-Reisebusse zu einer spürbaren Entspannung geführt. 2007 wurden mehr als 5.000 Busse aus chinesischer Produktion beschafft.
Dienstleistungen sind heute der wichtigste Wirtschaftssektor Kubas.Sie umfassen sowohl den Tourismus als auch die Entsendung von Tausenden von Ärzten und Lehrern ins Ausland.
Der Export von medizinischen Leistungen – sowohl Behandlung ausländischer, vorwiegend zentral- und lateinamerikanischer Patienten auf Kuba, als auch die Entsendung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal (über 30.000) ins Ausland, vor allem nach Venezuela, ist heute eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes.
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Wirtschaftliche Lage der Bevölkerung
Eines der Hauptdilemmata der kubanischen Volkswirtschaft sind die ungenügenden Leistungsanreize für die arbeitende Bevölkerung. Sie wird überwiegend in „moneda nacional“ bezahlt (Durchschnittseinkommen umgerechnet circa 15 Euro), kann aber einen großen Teil ihrer Grundbedürfnisse nur in konvertibler Währung und zu Preisen decken, die deutlich über den Vergleichspreisen in Europa oder den USA liegen. Der Anteil der staatlichen Arbeitseinkommen am Gesamteinkommen kubanischen Familien ist seit den 90er Jahren deutlich zurückgegangen. Der Lebensstandard einer kubanischen Familie wird heute weitgehend durch den Zugang zu konvertibler Währung (rund 40 Prozent der Bevölkerung erhalten Überweisungen ihrer im Ausland lebenden Verwandten, Arbeit im Tourismus, Joint Ventures) und andere Einkommensquellen bestimmt. Das Konzept der „absoluten Armut“ (weniger als 1 US-Dollar/Tag) ist auf Kuba allerdings nicht übertragbar, da die Grundnahrungsmittel, sowie die Preise für Wasser, Strom und Gas stark subventioniert werden und das Gesundheits- und Bildungssystem kostenlos sind.
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Außenwirtschaftliche Verflechtung
Der außenwirtschaftliche Verflechtungsgrad Kubas ist insgesamt nach wie vor gering. Die wichtigsten Handelspartner sind Venezuela, China und Kanada.
Herausragende Exportprodukte sind neben Nickel medizinische und biotechnologische Erzeugnisse, Tabak, Zucker und Derivate. Der Ausbau der Biotechnologie ist eine der wirtschaftlichen Prioritäten des Landes. Herausragende Importprodukte sind Erdöl sowie Agrarprodukte/Lebensmittel.
Als Land mit schwacher industrieller Basis hat Kuba ein ausgeprägtes Handelsbilanzdefizit, das Leistungsbilanzdefizit ist hingegen geringer, vor allem wegen des hohen Devisenzuflusses im Dienstleistungsbereich. Bei den Überweisungen von Familienangehörigen durch die Kubano-Amerikaner ist nach der Aufhebung der Beschränkungen durch die neue US-Administration mit Steigerungsraten zu rechnen.
Der kubanische Außenhandel mit Lateinamerika ist vor allem aufgrund der wachsenden Außenhandelsverflechtungen zu Venezuela gestiegen, gute Chancen ergeben sich auch aufgrund neuer Abkommen mit Brasilien und Mexiko.
Im Jahr 2009 exportierte Kuba Waren und Dienstleistungen in Höhe von 36,6 Millionen Euro nach Deutschland und importierte Waren und Dienstleisungen in Höhe von 152,9 Millionen Euro aus Deutschland.
Kuba ist Mitglied der Welthandelsorganisation, aber nicht beim Internationalen Währungsfond (IWF), der Weltbank und bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Kuba favorisiert gemeinsam mit Venezuela eine engere Kooperation der lateinamerikanischen Staaten untereinander im Rahmen der „Alianza (früher: Alternativa) Bolivariana para las Américas“ (ALBA), der neben Venezuela und Kuba noch Nicaragua, Ecuador, Bolivien, Dominica, Antigua und Barbuda, St. Vincent und die Grenadinen angehören.
Zur Auslandsverschuldung (öffentlich und privat) macht Kuba seit 2008 keine offiziellen Angaben mehr. Es ist aber davon auszugehen, dass sie bei über 20 Milliarden US-Dollar liegt. Seit Sommer 2008 ergaben sich aufgrund des Preisverfalls bei Nickel und des Preisanstiegs bei den Nahrungsmittelimporten Zahlungsprobleme, die zur Aushandlung von Moratorien und zum Teil erheblichen Außenständen bei internationalen Unternehmen führten.
Die Zahl der Joint Ventures und der sogenannten Internationalen Wirtschaftsassoziationen (dabei behalten die Geschäftspartner ihre juristische Eigenständigkeit) und andere Kooperationsformen fiel von über 400 (2003) auf 211 (2008) und stieg 2009 wieder leicht an auf 218. Die größten Auslandsinvestitionen in Kuba sind im Bereich der Nickel- und Erdölförderung zu verzeichnen (Kanada, Spanien, China, Indien). Nach jüngsten Absichtserklärungen von Raúl Castro sollen wirtschaftliche Kooperationen mit ausländischen Unternehmen allerdings wieder gefördert werden.
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Kubanische Wirtschaftspolitik 2009/10
Unter der derzeitigen Staatsführung bleibt Kuba, prinzipiell beim Konzept einer sozialistischen Planwirtschaft, in der politische Ziele Vorrang vor ökonomischen Erwägungen haben.
Die kubanische Führung sieht sich nicht zuletzt durch die Überwindung der schweren Wirtschaftskrise in ihrem Kurs bestätigt, die durch den Rückzug des Hauptsponsors Sowjetunion Anfang der 90er Jahre ausgelöst worden war. Ursächlich für die Überwindung der Wirtschaftskrise waren vor allem:die umfangreiche Unterstützung Venezuelas mit Öllieferungen deutlich unter dem Weltmarktpreis, aber auch mit Krediten, Investitionsvorhaben und der Beschäftigung kubanischen Fachpersonals,dreistellige Millionenkredite Chinas unter anderem für den Kauf chinesischer Investitions- und Konsumgüterdie Hoffnung auf die Entdeckung und Erschließung eigener off-shore-Ölfelder in den kommenden Jahren.Mitgeprägt wurde diese optimistische Selbsteinschätzung durch die seinerzeit hohen Weltmarktpreise für Nickel, die insgesamt guten Ergebnisse im Tourismus, den erfolgreichen Export von Dienstleistungen im Gesundheitssektor sowie die Hoffnung auf steigende internationale Wettbewerbsfähigkeit kubanischer Biotechnologie und Softwareentwicklungen. Allerdings sind die Preise für Nickel 2008 extrem eingebrochen und der Tourismussektor liefert nicht mehr so hohe Erträge, da die Versorgung der Touristen immer kostspieliger wird. Gleichzeitig ist Kuba gezwungen, immer mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, da die Preise auf dem Weltmarkt stark angestiegen sind und die Produktion im Land selbst bei weitem nicht ausreicht.
Kuba ist deshalb seit der zweiten Jahreshälfte 2008 in erhebliche Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Krise bestätigt augenscheinlich den Reformkurs Raúl Castros, der vor allem auf eine Ankurbelung der Nahrungsmittelproduktion durch Stärkung des im nationalen Vergleichs mit Abstand stärksten Privatsektors abzielt.
Die Kontrollfunktion der Zentralbank und der Ministerien ist stark, gewährt allerdings ausländischen Partnern auch mehr Zahlungssicherheit. Ausländische Investitionen werden begrenzt auf wenige große, leichter zu kontrollierende Projekte.