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Tabak und Herstellung von Zigarren

Kolumbus entdeckte auf Kuba den Tabak, den die Indios entweder durch Inhalationsrohre rauchten oder die unzerkleinerten Blätter zu zigarrenähnlichen Rollen zusammenrollten und bei rituellen Handlungen benutzten. Rauchen war nur den Männern erlaubt, die Pflanzen wurden von Priestern angebaut. Im 16. Jahrhundert fingen die Spanier und Engländer mit dem Rauchen an, doch wegen der auftretenden Nebenwirkungen wie Rauschzuständen, hielt sich die Verbreitung des Rauchens anfangs in Grenzen, man hielt es schlicht für Teufelszeug. In den späteren Jahren verbreitete sich das Rauchen in den Adelshäusern Europas und man begann auch dort mit dem Tabakanbau. Heute ist der Tabak ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Deviseneinnahmequelle, Kuba erwirtschaftet pro Jahr 200 Millionen Dollar.
Die einzelnen Schritte des Tabakanbaus und der Zigarrenherstellung wurden im frühen 19. Jahrhundert entwickelt und sind seitdem im wesentlichen gleich geblieben. Der Anbau ist eine komplizierte Arbeit, erfordert viel Wissen und das Gefühl für Wetter. Die Bauern müssen den Tabak ständig von Unkraut und Ungeziefer befreien, damit er optimal gedeihen kann. Besonders günstig für die Qualität des klimaempfindlichen Tabaks ist es, wenn der Sommer viele warme Tage und kühle Nächte hat, möglichst ohne Regen. Die Saison beginnt im Juni bis August mit der Bestellung des Ackers, 45 Tage nach dem Einsäen im Oktober bis Januar werden die Schösslinge, die dann eine Höhe von 15 bis 20 Zentimetern erreicht haben, auf die Felder der Farmen versetzt. Gleich nach dem Einflanzen werden ein Teil der Schösslinge mit Gazetüchern überspannt, damit die Deckblätter im Schatten wachsen können, andere dagegen werden der Sonne ausgesetzt, so dass ihre Blätter eine Vielfalt an Geschmacksrichtungen entwickeln.
Die Erntezeit beginnt im Januar und endet im März. Von der Pflanze werden zuerst die unteren Blätter geschnitten und dann nach oben. Von einer Tabakpflanze werden 16-18 Blätter gewonnen. Dann werden die Blätter paarweise in gut belüfteten Schuppen zum Trocknen an der Luft aufgehängt – um Temperatur und Feuchtigkeit in Grenzen zu halten, wird der Tabak regelmässig befeuchtet und belüftet. DieTrockenphase ist nach 50 Tagen beendet. Die inzwischen goldbraunen Blätter werden in Bündel zusammen gerollt und ins Fermationshaus gebracht, wo sie aufeinander gestapelt lagern. Im Innern der Stapel entwickelt sich eine Wärme von 32-42°C – nach einer Gärung von erst 30 und dann noch einmal 60 Tagen werden die Blätter nach Grösse, Farbe und Beschaffenheit sortiert und die Hauptrippe entfernt. Nachdem die Blätter noch ein paar Tage in einem Zwischenlager geruht haben, werden sie traditionell in der Rinde der Königspalme verpackt und in die Lagerhäuser gebracht, wo sie einige Monate, manchmal auch Jahre, liegen, bis sie in die Zigarrenfabriken gebracht werden.



Herstellung von Zigarren
Wenn die Tabakblätter in die Tabakfabriken kommen, beginnt die aufwendige Herstellung der Zigarren. Einem besonderen Befeuchtungsprozess der Deckblätter erfolgt das Halbieren der Blätter, die dann nach Grösse, Farbe und Struktur aussortiert werden. Der Mischmeister stellt die Mischung nach einem Geheimrezept für die Zigarre zusammen, und so gelangen die Blätter in Bündel sortiert auf den Arbeitsplatz des Zigarrenrollers, der täglich rund 120 Zigarren rollt.
Den Arbeitern ist es erlaubt, während ihrer Arbeitszeit so viele Zigarren zu rauchen wie sie möchten, dabei werden ihnen von einem Vorleser vormittags Aktuelles aus der Tageszeitung und nachmittags Geschichten und Romane vorgelesen.
Für den Aufbau einer Zigarre gibt es feste Regeln: Zuerst entsteht der Wickel, der sich aus der Einlagemischung und dem Umblatt zusammensetzt. In einem aus zwei Hälften bestehenden Holzmodell, in dem zehn Mulden in Zigarrenform angebracht sind, werden die Wickel nun gepresst und anschliessend in die hochwertigen Deckblätter eingerollt und am Zigarrenende mit einer Kappe versehen.
Als letzter Arbeitsgang kommt die Bauchbinde um die Zigarre. Dieses kleine Stück Papier wurde von einem europäischen Händler als Werbeträger auf seiner Ware ersonnen. Da sie zusätzlich die Finger des Rauchers vor Nikotinverfärbungen schützt und auch noch die Deckblätter zusammenhält, trat sie den Siegeszug durch die ganze Zunft an.
Nachdem die fertigen Zigarren etwa drei Wochen –teilweise auch bis mehrere Monate- in einem mit Zedernholz ausgekleideten Klimaraum verbracht haben, ordnet sie der Farbsortierer in 65 verschiedene Farbschattierungen und verpackt sie in die Zigarrenkisten, die aus Zedernholz sind, um das Weiteratmen zu garantieren.
Die Zigarren werden unter den Namen Partagas, Monte Cristo und Cohiba in alle Welt exportiert und geniessen unter Kennern Weltruhm.

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