das Leben heute auf Kuba
Das Leben heute ist oft schwerer auf Kuba, als vor 40 Jahren. Eigentlich dreht sich alles nur darum, irgendwo etwas zu organisieren, dass man tauschen kann und dann dafür etwas zu Essen beschaffen kann.
Noch heute hat jeder Kubaner eine sog. Lebensmittelberechtigungskarte "libreta". Diese berechtigt ihn, eine für ihn rationierte Menge ( 1 Scheibe Brot pro Tag, 3 Eier pro Woche, 1 Stück Fleisch pro Monat ) Lebensmittel an der Verteilerstelle abzuholen. Uns sind diese Karten bestenfalls aus den Erzählungen unserer Großeltern bekannt, bzw. aus dem zweiten Weltkrieg ein Begriff.
In Kuba wird dies immer noch praktiziert. Kaffee, Reis, Seife, Tabak usw. alles kann man auf dieser Karte finden. Falls Sie die Möglichkeit haben eine solche Karte anzuschauen, nehmen Sie sich die Zeit - es ist interessant.
Doch seit dem Zerfall des Ostblocks kann man mit diesen Karten nicht mehr die erforderliche Menge an Lebensmitteln erhalten. Und so bringt einem die Karte nur Essen für den halben Monat, wie uns berichtet wurde. Die Ernährung fällt zudem auch noch sehr einseitig aus. Den Rest des Monats, muss der Kubaner Lebensmittel beschaffen.
Meist kann man dies nur noch mit Peso Convertibles bewerkstelligen, denn auf den Schwarzmärkten erhält man die guten Sachen nur gegen die neue Währung. Oft sind aber die Schwarzmärkte weit weg und so wird eine Strecke von 50 Kilometern zur Tagesreise, denn die Busse fahren manchmal nicht, oder sind hoffnungslos überfüllt. Und so muss man auf den LKWs die Strecken möglichst günstig und schnell bewältigen. Prinzipiell gilt auf Kuba "lieber schlecht gefahren, als gut gelaufen". Gegen ein paar Pesos kann man auf so einem LKW mitfahren und kommt dann auf dem Schwarzmarkt an.
Dort versucht man erst einmal seine paar Kartoffeln, Mangos oder Bohnen zu verkaufen oder einzutauschen und dann geht man auf die Suche nach dem besten Preis-Leistungsverhältnis.
Am Ende eines solchen Tages hat man gerade mal 100 Kilometer Strecke hinter sich gebracht, ein Kilo Reis, zwei Brote und etwas Fleisch gekauft und ist gerade mal einen Tag weiter.
Vor allem die Ölknappheit lähmt Industrie und Transportwesen bis heute. Millionen Pesos gehen monatlich verloren, weil die Menschen oft stundenlang darauf warten, von hoffnungslos überladenen uralten Lastwagen russischer Bauart zur Arbeit mitgenommen zu werden. Die Benzinversorgung an den autobahnähnlichen Überlandstraßen ist besser geworden, seit Venezuela als Öllieferant eingesprungen ist und brasilianische Ölfirmen mit vielversprechenden Ergebnissen an der Nordküste nach Öl bohren.
Wenn dann noch der LKW-Fahrer von der Polizei kontrolliert wird, dauert es noch länger falls es weiterfahren darf. Denn normalerweise dürfen solche LKWs nur in einem bestimmten Gebiet fahren. Nur ist es in der zweiten Monatshälfte lukrativer gegen diese Auflage zu verstoßen.
Überall in Kuba versucht man sich ein bisschen Vieh zu halten, oder ein bisschen Gemüse anzupflanzen. Das beliebte Spanferkel, dass zu Festen gern verspeist wird, wird oft noch mitverkauft. Das heißt, ein Teil ist zum Selbstessen und ein Teil wird verkauft. Überall findet man solche kubanischen Lösungen.
Und wenn man Touristen sieht, die sich den Teller in Hotels extrem voll beladen aber nur die Hälfte essen, dann versteht man warum die Bedienung vorwurfsvoll fragt, ob sie den Teller mitnehmen soll, denn für das was der Tourist da gerade abräumen lässt, muss ein Kubaner vielleicht einen Tag Reise auf sich nehmen, falls er es überhaupt bekommt.
Wenn man in Kuba Urlaub macht und in den All Inclusive Hotels die reich gedeckten Buffets sieht, dann kann man fast nicht glauben, dass es in diesem Land so wenig Lebensmittel gibt. Jedoch sind viele Hotels so autark, dass sie sogar privat Rinderzüchtungen auf Kuba halten um genug Fleisch zu erhalten.
Natürlich sieht man solche Umstände nicht, wenn man nach Varadero fliegt und von der Halbinsel sich nicht wegbewegt. Ferner muss man sich auch dafür interessieren, was in diesem Land vor sich geht. Wer aber nach Kuba kommt um Chicas abzuschleppen und exzessive Alkoholorgien zu feiern, der sollte sich das Geld sparen und das Land in seiner Schönheit aus der Ferne genießen.
Peso ist tot - Dollar kam - Euro ist da !!!
Während unseres Aufenthaltes wurden landesweit die Geschäfte für 2 Tage geschlossen und die Preise erhöht. Hierzu zählten nicht nur die Touristen-Shops sondern auch die für die Kubaner.
Aufgrund der Verschlechterung der Versorgungssituation auf Kuba, beeinflusst durch das Embargo der USA wird nun auch für Kubaner alles teurer.
Nach Aussagen diverser Kubaner und dies wurde uns auch von Reiner bestätigt, bekommt man nur noch ganz wenige Lebensmittel für Pesos. Wenn man etwas Besseres ( vernünftige Seife, Zahnbürsten, gutes Fleisch usw. ) will muss dies bereits mit Dollars bezahlt werden. Diese Situation setzt bald den Peso als geltende Landeswährung ausser Gefecht.
Umso schlimmer ist dann die neue Gesetzgebung von H.P. Busch, dass er es in Amerika lebenden Exilkubanern verbietet, ihren Verwandten mehr als 50 Dollar vierteljährlich zu übersenden.
Wir "graturlieren" H.P. Bush zu diesem gelungenen Schachzug gegen Kuba ( Sarkassmus ).
Update :
Seit 8 November gilt nun der pesos convertibles als offizielles Zahlungsmittel in Kuba und der Dollar wird mit einer Zwangsgebühr belegt. Aber effektiv wird auch weiterhin der Dollar weiter als Zahlungsmittel mitbenutzt. Der Euro hingegen ist nun stark im Kommen, denn damit hat man keinen "Wechselärger", er ist stabiler und wird immer mehr anerkannt.
"Die Zuckerinsel braucht dringend Hilfe, zumal das vier Jahrzehnte alte US-Embargo trotz einiger Lockerungen wie ein Knebel wirkt. Vor einem halben Jahr hatte der Kongress in Washington beschlossen, die Sanktionen zu lockern und den Verkauf von Lebensmitteln und Medikamenten zu genehmigen, da es aber US-Banken oder staatlichen Stellen weiterhin verboten ist, Geld für den Handel zur Verfügung zu stellen, lehnte Kuba das Gesetz als "reine Publicity" ab. es mache die Sanktionen auf Grund der Finanzierungsauflagen eher noch schärfer, als sie zu lockern. Die Insel, die sehr stark auf den Export von Rohrzucker angewiesen ist, muss jedes Jahr Lebensmittel für rund eine Milliarde Dollar einführen." ( Robert Luchs )

